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Die glamouröse Spielerstadt und Freizeitmetropole Las Vegas war erneut Austragungsort des diesjährigen Mr. Olympia, Ms. Olympia und Fitness Olympia. Als Veranstaltungsstätte fungierte das Luxushotel Mandalay Bay Resort, welches neben allen Annehmlichkeiten eines Luxushotels auch über eine Veranstaltungshalle mit einem Fassungsvermögen von bis zu 10.000 Zuschauern verfügt. Der Vizepräsident der Profi-Sektion der IFBB, Wayne DeMilia , und sein Team haben ein volles Jahr an harter Arbeit darin investiert diese Veranstaltung perfekt zu organisieren, wie im Jahr davor wurden die Wettkämpfe mit einer „Expo“ kombiniert, bei der verschiedene Sponsoren und Unternehmen der Fitnessbranche ihre Produkte präsentierten.
Zusätzlich bereichert wurde das „Olympia-Weekend“ durch Veranstaltungen (Seminare, Präsentationen, Schönheitskonkurrenzen) am so genannten „Muscle-Beach“ dem künstlich angelegten Strand am hoteleigenen Pool des Mandalay Bay Hotels. Perfekte Rahmenbedingungen für das Bodybuilding Ereignis des Jahres waren also vorhanden. Viele Fans aus allen Teilen der Welt waren angereist um Zeuge eines denkwürdigen Wettkampfes zu werden. Wird Ronny Coleman seinen Titel verteidigen können? Werden die deutschen Hoffnungen Günter Schlierkamp und Markus Rühl die in sie gesetzten Erwartungen erfüllen können? Wird Flex Wheeler nach seinem Rücktritt vom Rücktritt diesmal endlich in Top-Form antreten? Wird Juliette Bergmann nach ihrem überraschenden Comeback im Vorjahr den Titel gegen Lenda Murrey eine Athletin, die ex equo mit Corry Everson je 6 Ms. Olympia Titel errungen hat erfolgreich verteidigen können?, wird Susy Curry ihren Titel abermals verteidigen können eine Leistung, die außer ihr noch keine Athletin erbringen konnte?
Gelegenheit Fragen an die „Olympians“ zu stellen ergab sich zunächst bei der am Donnerstag kurz vor den Vorkämpfen des Ms. Olympia und Fitness-Olympia angesetzten Pressekonferenz, bei der alle Teilnehmer des Mr. Olympia mit Anzug und Krawatte bekleidet und alle Teilnehmerinnen des Ms. Olympia und Fitness Olympia in eleganter Bekleidung den Zuschauern Rede und Antwort standen.
Der Moderator der Pressekonferenz, Wayne DeMilia , kam dabei gehörig ins Schwitzen, eine Zuschauerin warf ihm vor, daß viel zu wenig für die weiblichen Bodybuilder und Fitnessathletinnen
getan werde, diesem Vorwurf konterte el presidente mit harten Fakten: Der Mr. Olympia Bewerb finanziere die Ms. Olympia und Fitness Olympia Bewerbe; man könne an den Ticketvorverkäufen und den Anfragen der Sponsoren erkennen, daß das Hauptinteresse dem Mr. Olympia Bewerb gelte daher könne das Preisgeld beim Ms. Olympia und Fitness Olympia Bewerb nicht annähernd die Zahlen beim Mr. Olympia erreichen. Der im Publikum anwesende Shawn Ray beschwerte sich massiv über die Wertungen der Kampfrichter bei den letzten Mr. Olympia Bewerben.
Man solle Kampfrichter beim Mr. Olympia einteilen, welche vorher noch niemals diesen Bewerb gewertet haben, sonst würden immer die gleichen Resultate herauskommen. Von Juliette Bergmann erfuhr man, daß sie eigentlich mit dem Bodybuilding angefangen habe, um an Gewicht zu verlieren.
Zu ihrem Comeback im Vorjahr sei sie bewogen worden um Frauen ihres Alters (sie wird 44) zu zeigen, daß man auch in diesem Alter durch den Bodybuilding Lifestyle einen schönen Körper haben kann.
Mit schweren Schicksalsschlägen hatten Vickie Gates und Darrem Charles während der Wettkampfvorbereitung zu kämpfen. Vickie Gates’ Mutter verstarb 3 Wochen vor der Ms. Olympia, Darrem Charles Mutter wurde 2 Wochen vor dem Mr. Olympia brutal ermordet. Befragt wer seiner Einschätzung nach sein härtester Gegner sein werde gab sich Ronny Coleman diplomatisch: jeder der anwesenden Athleten hätte das Zeug dazu ihn zu schlagen, er hoffe aber, daß er mit Gottes Hilfe den Titel noch einige Jahre verteidigen könne. Er habe sich die Kritik des Vorjahres zu Herzen genommen und sich mit brutaler Intensität auf den Wettkampf vorbereitet. Die als Hitzköpfe bekannten Rivalen Craig Titus und King Kamali stellten ihre in den Medien, insbesondere im Internet, zelebrierte Antipathie als Werbegag dar um zu polarisieren und dadurch den Wettkampf interessanter zu machen.
Die Pressekonferenz fand beim Publikum großen Anklang sie wurde in der gleichen Veranstaltungshalle wie die Vorkämpfe für Ms. Olympia/Fitness Olympia abgehalten und zog annähernd gleich viele Zuschauer an wie die unmittelbar danach stattfindenden Vorkämpfe zur Ms. Olympia und Fitness Olympia.
Bei der Organisation des Wettkampfablaufes führte der Zufall Regie. Dieser wollte es zunächst, daß alle Kampfrichter zeitgerecht zum „Judges-Meeting“ zusammenfanden, obwohl dieses nirgends angekündigt war. Wegen der hohen Zahl an Teilnehmern beim Ms. Olympia (25) wurde festgelegt, daß nur die besten 15 für das Finale am Abend zugelassen werden würden, tatsächlich zeigten dann aber alle Olympians in Runde 3 ihr Posing. Es wurde auch eine Sitzordnung für die Kampfrichter festgelegt, welche dann aus Praktikabilitätsgründen nur teilweise eingehalten wurde (das Umsetzen wurde für zu mühsam befunden). Daß die Kampfrichter bei der Vorwahl ihre Wertungen auf den Oberschenkeln (Tische waren keine vorhanden) vornehmen mußten, vor ihnen 6 Reihen Presse-Leute und Fotografen saßen und im Finale zwischen dem Jurytisch und den Athleten eine Distanz von ca. 20 m lag, ist wahrscheinlich auch nicht allgemein bekannt. Um ein möglichst objektives Ergebnis zu erzielen wurden pro Wettkampf 12 Kampfrichter aus verschiedenen Ländern eingesetzt (USA, Kanada, Israel, Italien, Slowakei, Österreich).
Insgesamt präsentierten sich alle Teilnehmer des Mr. Olympia in sehr guter Form, lediglich 2 Teilnehmer, Don Youngblood und Gustavo Badell zeigten sich in einer nicht Mr. Olympia würdigen Form. Zu den Leistungen der einzelnen Athleten ist Folgendes festzuhalten (Reihenfolge nach Startnummern):
Orville Burke:
Der Vorjahresfinalist beeindruckte vor allem durch seinen gewaltigen Rücken, in punkto Harmonie und Definition konnte er die Kampfrichter aber nicht überzeugen und belegte schließlich den 9. Platz
Dexter Jackson:
In der Vergangenheit war wiederholt kritisiert worden, daß die gute Harmonie und Symmetrie und das exzellente Conditioning dieses Athleten von den Kampfrichtern viel zu wenig belohnt wird, doch diesmal kam es anders: Dexter präsentierte sich in der gleichen (guten) Form, wie bei seinen zahlreichen Auftritten bei weniger prestigeträchtigen Profi-Veranstaltungen, doch gelang es ihm diesmal mit gleichmäßigen Resultaten in allen vier Wertungsrunden seine Spitzenstellung auch beim Mr. Olympia zu manifestieren. Ästhetische Gesamterscheinung, messerscharfe Definition, winzige Taille sowie besonders beeindruckende Arm- und Schultermuskulatur machten seine einzigen Schwächen – zu wenig voller und breiter Rücken, hohe Waden – vergessen.
Ahmed Haidar:
Einer der attraktivsten Athleten perfekt geformte, voll austrainierte Muskulatur, elegantes Posing geschliffene Präsentation, all dies wurde mit dem Diamanten aus dem Orient mit dem 13. Platz „belohnt“, kein schlechtes Resultat für einen Neoprofi, auch wenn er schon bei einigen Profi- Grand Prix Finalplätze erreichte. Vielleicht muß er ähnlich wie Dexter Jackson eine gewisse Durststrecke zurücklegen, bis seine Qualitäten bei den Kampfrichtern ankommen.
Kevin Levrone:
Wenn Kevin die Bühne betritt ist Show-Time: Wenn er auf seinen Serratus-Muskeln Gitarre spielt sich selbst auf der überdimensionalen Video-Leinwand, in der jeder Athlet die Ausführung seiner Posen kontrollieren konnte, erkennend mit Begeisterungsrufen (WOW!!!) anfeuert und Aufforderungen zu den Pflichtposen erst im letzten Moment befolgt und statt dessen seine „Trademark-Shots“ anbringt, dann weiß man, daß hier ein Athlet auf der Bühne steht, der sich seiner Wirkung auf das Publikum voll bewußt ist und einen begründeten Anspruch auf den Titel erhebt. Levrone ist einer der ganz großen Athleten, die dafür sorgen, daß Bodybuilding nicht langweilig wird. Bei einem derartigen Showtalent sieht man dann auch darüber hinweg, daß die Oberschenkel und Wadenmuskelentwicklung hinter der vieler anderer Profis zurückfällt, doch der Oberkörper (vor allem Schultern, Trizeps, Brust und Bauch) war voll da und auch in der Doppelbizeps- und Latissimuspose von hinten beeindruckte Kevin sogar seine schärfsten Kritiker. In Runde 3 (Posing) erhielt er 9, in Runde 4 (Pose-down) 7 erste Plätze und konnte in diesen beiden Runden den Titelverteidiger, Ronny Coleman, deutlich distanzieren. In den ersten beiden Runden wirkte sich aber die mangelnde Gesamtharmonie und die schwachen Beine zu seinen Lasten negativ aus, sodaß Kevin seinen Rückstand aus den ersten beiden Runde nicht mehr aufholen konnte.
King Kamali:
Seine Leistung war für viel enttäuschend, zumal er ja dafür bekannt ist sein Licht nicht unter den Scheffel zu stellen. Weder von der Muskelmasse noch von der Definition her hatte er Chancen auf eine Top Ten Platzierung, großartig war aber sein Posing, wo er Kreativität und Variantenreichtum zeigte. Das Publikum dankte es ihm mit einem tosenden Applaus.
Markus Rühl:
Markus war zweifellos der gewaltigste Athlet: immens breite Schultern, tiefe, tiefe, Brust, ein Latissimus breit wie ein Scheunentor, wenn er den Bizeps anspannt, glaubt man, dieser durchstößt die Haut. Die neben ihm im Line up stehenden Athleten sahen wie Fitnesssportler aus. Zwar ließ seine Definition etwas zu wünschen übrig, doch erscheint es völlig unverständlich, daß ein Kampfrichter ihn in der ersten Runde auf dem 20. Platz (!!!) sah (Anmerkung: die meisten Kampfrichter hatten ihn in dieser Runde zwischen Platz 7 und Platz 10).
Tommi Thorvildsen:
Sympathisches Auftreten, Salto Rückwärts beim Posing, Querstreifen im Gluteus Maximus, muskulär sonst nichts erwähnenswertes vorhanden er verfehlte die Top 15 deutlich.
Lee Priest:
Seine Ober- und Unterarmentwicklung zählt zu den sensationellsten im Bodybuilding. Abgesehen davon zeigte er diesmal eine sehr gute Definition, sodaß er verdient einen Finalplatz erzielte. Ein Harmoniewunder war er ja noch nie, aber damit hat man sich bei den Kampfrichtern offenbar abgefunden.
Francisco Bautista:
Ein Athlet mit so vielen strukturellen Nachteilen wie „Paco“ muß dies durch extreme Definition und Muskulosität wettmachen. Zwar zeigte Paco extreme Muskulosität und Definition, diese konnten seine Harmonie- und Symmetriedefizite aber nicht wettmachen, zu dem litt er am Bitch-Tits-Syndrom. Gerüchte über Ölinjektionen in seinen Schultern dürften auch nicht gerade zu einer Verbesserung seiner Platzierung geführt haben. Er zeigte Buckeln und Beulen, die in keinem Anatomiebuch als Muskeln anerkannt werden.
Ronnie Coleman:
Nach der von vielen Experten als schwach kritisierten Vorjahresform zeigte der vierfache Titelträger nach leichten Unsicherheiten in Runde 1 eine solide Leistung, ohne daß ihm eine Steigerung gegenüber seiner bisherigen Bestform gelang. Größter Schwachpunkt ist nach wie vor seine Mittelpartie (Blähbauch), Ronnie zählt auch nicht gerade zu den symmetrischsten und harmonischsten Athleten, doch sobald er sich umdreht und seine Rücken – und Gluteusmuskeln präsentiert (Doppelbizeps von hinten) schienen letzte Zweifel (der Kampfrichter) an einer erfolgreichen Titelverteidigung beseitigt, die Juroren belohnten seine extreme Muskulosität und Definition in den Runden 1 und 2 durchgehend mit 1. Plätzen, ärgere Schnitzer passierten Ronnie allerdings bei seiner Posingkür, bei der ein missglückter Versuch einen lehrbuchmäßigen Spagat zu präsentieren beinahe damit endete, daß er auf sein Gesicht fiel, kaum hatte er sich stabilisiert um zu einer Doppelbizepspose im Spagat anzusetzen drohte er rücklings das Gleichgewicht zu verlieren, sodaß die Posingrunde mit 5 zu 11 Punkten ganz klar an seinen zu diesem Zeitpunkt schärfsten Rivalen, Kevin Levrone, ging. Irgendwie gewann man den Eindruck, das Publikum hatte sich an Coleman satt gesehen. Sein teilweise übertrieben selbstbewusstes Auftreten wurde von einem Teil der Zuschauer mit Pfiffen und Buhrufen quittiert.
Darrem Charles:
Dieser ästhetische, harmonische Athlet vermochte die Kampfrichter von seinen Qualitäten nicht zu überzeugen und landete außerhalb der Top 15.
Claude Groulx:
Er zählt zu den am besten definierten Athleten und zeigte ein engagiertes Posing, strukturelle Schwächen verhinderten bei diesem starken Teilnehmerfeld eine Platzierung unter den Top 15.
Chris Cormier;
Chris war nicht besser und schlechter in Form als bei seinen letzten Mr. Olympia Auftritten, gegenüber Coleman fehlte es ihm an Wucht und Definition, gegenüber Levrone an Charisma und Showmanship. Je länger der Wettkampf dauerte, desto mehr ging ihm die Luft aus. Sein guter Name verhinderte eine schlechtere Platzierung.
Jaroslav Horvath:
Der Newcomer hatte bei diesem Klassefeld keine Chance und landete im hintersten Drittel.
Dennis James:
Für viele Fans zeigte Dennis eine enttäuschende Leistung. Er präsentierte zwar einen massiven, wuchtigen Oberkörper mit riesigen Brust-, Schulter- und Oberarmmuskeln und einem extren breiten Rücken, man vermißte aber die bei diesem Leistungsstandard notwendigen tiefen Muskeleinschnitte. Die Disharmonie zwischen Oberkörper und Beinen tat ihr übriges, sodaß Dennis ohne Finalchance auf dem für ihn enttäuschenden 10. Platz landete.
Robert (Bob) Cicherillo:
Dieser groß gewachsene, gutaussehende sich blendend artikulierende und in den USA äußerst beliebte Athlet scheiterte bei seinem ersten Antreten beim Mr. Olympia an dem extrem hohen Leistungsniveau, welches dazu führte, daß er keine Chance auf einen Platz unter den Top 15 hatte.
Georg Farah:
Der vor ca. 2 Jahren bei einem Schussattentat (Raubüberfall) schwer Verletzte zeigte in Ansehung dieses Schicksals eine starke Leistung, für einen vorderen Platz reichte es hier aber doch nicht aus.
Nasser El Sonbaty:
Nasser präsentierte sich in sehr guter Form, so lange man ihn nur von Vorne oder von der Seite betrachtete: Breite, volle Schultern, massive Brustmuskeln, respektable Bizeps und Trizeps Entwicklung, massive und gut definierte Waden. Sobald er sich jedoch umdrehte war es um ihn geschehen: weder in der Doppelbizepspose von hinten, noch in der Latisimuspose von hinten fanden die Kampfrichter was sie suchten wie ein Segel in den Flaute hing da herab was sich wie ein Gebirgsrelief erheben sollte, der arrivierte Athlet findet offenbar kein Mittel um seine Rückenschwäche auszumerzen. Platz 15 für Nasser.
Art Atwood:
Für einen so großen und so schweren Mann wie Art zeigte er eine sensationelle Muskulosität und Definition, er wirkte aber etwas verbaut und konnte seine Harmonie- und Symmetriedefizite durch extreme Härte nicht ausgleichen. Der 12. Platz ist für die erste Mr. Olympiateilnahme aber ein äußerst respektables Ergebnis.
Craig Titus:
Hatte erstmals im persönlichen Duell mit King Kamali die Nase vorne und zeigte gegenüber dem Vorjahr eine deutlich verbesserte Beinentwicklung, zu dem dürfte er als Lokalmatador (er wohnt in Las Vegas) einen Bonus bei den Kampfrichtern gehabt haben.
Günter Schlierkamp:
Günters fabelhafte Leistung war die Sensation der Veranstaltung. Wurde er in der ersten Runde von den Kampfrichtern wegen angeblich mangelnder Harmonie und Symmetrie mit Platzierungen im hinteren Mittelfeld bedacht (2 Kampfrichter hatten ihn auf dem 14., 3 Kampfrichter auf dem 13. Platz) steigerte sich Günter von Runde zu Runde derart fulminant, daß man auf den Wettkampf zurückblickend nicht verstehen kann, wie für eine derartig erstklassige Leistung, wie sie Günter bot, nur ein 5. Platz herausschauen konnte. Günter ist vom Scheitel bis zur Sohle ein perfekter Gentleman. Bei ihm gibt es keine Muskelpartie, welche nicht an Muskelgröße und Muskelschärfe perfekt ausgeprägt war, man kann sich kaum mehr vorstellen, wo hier noch eine Verbesserung möglich sein kann. Zum Nachteil gereichte ihm bei den Kampfrichtern wohl nur die Tatsache, daß er sich bei vergangenen Mr. Olympia Wettkämpfen nicht unter den Top 3 platzieren konnte und nicht diese von den Kampfrichtern als schön empfundene Linie aufweist, wie sie bei kleineren und leichteren Athleten (etwa Dexter Jackson oder Shawn Ray) vorhanden ist. Misst man seine Harmonie und Symmetrie an jener des Champions (Coleman), vermag man nicht zu erkennen, in wie weit dieser Günter überlegen sein kann. Bei Günter stimmte einfach alles: Souveräne, sympathische Ausstrahlung, perfekte Präsentation und extreme Muskulosität und Definition, die man sonst noch bei keinem Athleten seiner Größe und seines Gewichtes je gesehen hatte. Nach seinem Posing stand für das Publikum jedenfalls fest, daß nur Günter Schlierkampf Mr. Olympia 2002 werden konnte.
Flex Wheeler:
Flex präsentierte eine Juniorenversion des Flex Wheeler 1998/1999. Deutlich leichter und schmaler als gewohnt und von hinten betrachtet im Gluteus - und Beinbizepsbereich auch definierter als bei seinem letzten Antreten konnte ihm seine nach wie vor beeindruckende Symmetrie und Harmonie keinen Finalplatz sichern.
Gustavo Badell:
Befand sich nicht in Mr. Olympia-würdiger Form und hatte daher keine Chance.
Don Youngblood:
Der Master’s Olympia 2002 Sieger war ebenfalls nicht in Form und konnte mit dem Top – Athleten nicht mithalten.
Ernie Taylor:
Die nicht enden wollenden Gerüchte um seine unwirkliche Trizepsentwicklung sind ja bereits allgemein bekannt, diesmal entstand zusätzlich der Eindruck, seine Oberschenkelmuskeln wären mit Öl aufgefüllt worden. Ernie beteuerte durch hartes Training hätte sich in seinen Trizepsmuskeln Narbengewebe gebildet, dem Problem werde in naher Zukunft durch einen chirurgischen Eingriff abgeholfen. Platz 14. für Mr. Trizeps.
Das Posedown:
Das Publikum stand zu fast 100 % hinter Günter Schlierkamp und feuerte diesen mit frenetischem Applaus an. Alle Finalisten kämpften Schulter an Schulter mit letztem Einsatz darum die Kampfrichter von ihren Qualitäten zu überzeugen, einem entfesselten Kevin Levrone gelang es wie schon in der dritten Runde dem regierenden Champion die Show zu stehlen, sodaß Ronnie Coleman um seinen Titel noch zittern mußte. Für das Publikum ging der sich auf den Punktezetteln abzeichnende Zweikampf um den Sieg zwischen Ronnie Coleman und Kevin Levrone unter, denn für sie stand fest, daß nur Günter Schlierkamp Mr. Olympia 2002 werden konnte.
Die Siegerehrung:
Die Plätze 10-6 wurden vom Publikum teils mit vereinzelten Pfiffen und Buhrufen als mehr oder weniger aktzeptabel zur Kenntnis genommen. Doch was sich nach Bekanntgabe des Fünftplazierten, Günter Schlierkamp abspielte, stimmte viele nachdenklich und traurig: wütenden Buhrufen und dem Pfeifkonzert des von den Sitzen aufgesprungenen Publikums wurde erst dadurch ein Ende bereitet, daß Günter, ganz Gentleman im Stile eines echten Klassemannes zum Rednerpult ging, das Mikrofon ergriff und sich artig beim Publikum bedankte und darauf hinwies, daß seine Platzierung für ihn unbedeutend sei, und sich mit einem „you made my day“ vom Publikum verabschiedete. Danach verlies das Publikum in Scharen die Halle, sodaß sich der Titelverteidiger und neue Champion, Ronnie Coleman, bei seiner Siegesansprache nur mehr einem kleinen Teil des verbliebenen Publikums gegenüber sah. So endete ein fast schon traditionell kontroversieller Mr. Olympia 2002, bei dem es die Kampfrichter dem Publikum wieder einmal nicht recht machen konnten. Einen bitteren Nachgeschmack brachte die Analyse der Wertungen der Kampfrichter: zwei unmittelbar nebeneinander sitzende Kampfrichter hatten in allen vier Wertungsrunden fast identische Ergebnisse (Runden 2-4 100 %ige Übereinstimmung, Runde 1 Übereinstimmung bis auf zwei Wertungen) einer dieser Kampfrichter vergab in Runde 1 zweimal die Platzziffer 16. Vom head judge blieb dies während des Wettkampfes unbeachtet. Wer hat hier von wem abgeschrieben? Oder hat man sich etwa gar abgesprochen?
Es entstand eben der Eindruck, daß sich das Publikum am bisher da Gewesenen, wenn auch Spektakulären, satt gesehen hatte und sich einen neuen Champion wünschte. Sollte Ronnie Coleman nächstes Jahr wieder antreten, ist er doppelt gewarnt: Zu einer neuerlichen Titelverteidigung wird es mehr bedürfen als bereits gezeigte Leistungen zu wiederholen und andere Titelaspiranten werden davon ausgehen müssen, daß Günter Schlierkamp nächstes Jahr zu den heißesten Favoriten zu zählen sein wird.
Ms. Olympia:
Schon der „Publikumsandrang“ zeigte, daß das Interesse an dieser Veranstaltung weit hinter jenem am Mr. Olympia lag, die Ränge waren mit max. 1.200 Zuschauern „gefüllt“. Frauen Profibodybuilding manifestiert sich als „Freak-Sport“. Gemessen an den Leistungskriterien des Männerbodybuilding (Muskelmasse, Muskelhärte, Definition, Symmetrie, Harmonie) ließen die Bodybuilderinnen keine Wünsche offen: So hart, muskulös und definiert, wie etwa Iris Kyle oder Lenda Murray ist kaum einer der männlichen Olympians, doch soll so ein idealer Frauenkörper aussehen? Lenda Murray gelang der historische Triumph über Juliette Bergmann im Stechen um den Gesamtsieg, mit dem sie sich ihren 7. Ms. Olympia Titel sicherte. Doch der Trend den sie vorgibt (extreme Muskelmasse, Muskulosität und Definition) scheint der Garant für die Fortsetzung des langsamen Todes dieser Sportart zu sein. Die österreichische Hoffnung, Susanne Niederhauser, konnte sich zwar in der Leichtgewichtsklasse des Ms. Olympia mit ihren fließenden Linien, perfekter Symmetrie und Harmonie sowie sehr guter Definition exzellent in Szene setzen, doch verglichen mit ihren Konkurrentinnen fehlt es ihr an der heute geforderten extremen Muskelmasse. So blieb ihr der siebente und letzte Platz in ihrer Klasse, den eigentlich nicht sie, sondern die Ms. Olympia-Veteranin, Laura Cravalle, verdient hätte, die ihre Bestform weit verfehlte.
Fitness Olympia:
Auch diesem Wettkampf fehlte das Überraschungsmoment: Susie Curry vor Kelly Ryan und Jenny Worth war ein Deja vue, optisch gefällig präsentierten sich Christine Bergeron, Anna Level und Stacy Hylton. Keine der präsentierten Küren war perfekt. Die Siegerin, Susie Curry, zeigte einen von den Anstrengungen der Wettkampfvorbereitung gemarterten, ausgezehrten, extrem definierten Körper. Man muß sich fragen, wie lange es im Fitnesssport noch dauern wird, bis auch dort die Zielvorstellung eines idealen Frauenkörpers den allgemeinen Publikumsgeschmack so weit verfehlt, daß man sich von diesem Sport abwendet. Sponsoren für Fitnessbewerbe sind auch in den USA immer schwerer zu finden. Jedenfalls muß der Muskulosität und Definition im Fitnesssport Einhalt geboten werden damit nicht auch diesem Sport ein ähnliches Schicksal wie dem Frauenbodybuilding winkt. Nächstes Jahr wird es bereits einen Body-Fitness Ms. Olympia geben, einen Wettkampf also, bei der die Athletinnen keine Kür zeigen müssen, sondern sich nur in Bikini und Badeanzug präsentieren. Wie man hier die Abgrenzung zu einer reinen Schönheitskonkurrenz vornimmt ist keine einfach zu beantwortende Frage, Erfolge derartiger Veranstaltungen in den USA aber auch zuletzt bei der Amateur WM in Brno haben immerhin gezeigt, daß diese neue Klasse von den Athletinnen und dem Publikum gut angenommen wird.
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