Weltmeisterschaft der Männer 2004
04. bis 08.11.2004
Moskau, Russland
Für Vollbildansicht bitte auf das jeweilige Foto klicken

Österreichs einziger Repräsentant bei diesem Wettkampf, der Wiener Alexander Sturm, hatte in der nicht nur zahlenmäßig, sondern auch qualitativ am stärksten besetzten Männerschwergewichtsklasse über 90 kg einen schweren Stand. Im Line-up stand er unmittelbar neben dem späteren Vizeweltmeister, Rolandas Pocius (Litauen). Alexander war in seiner persönlichen Bestform und präsentierte sich im Line-up und bei den Vergleichsposen im Rahmen der Eliminationsrunde auch äußerst vorteilhaft, der Leistungsstandard in dieser Klasse war aber derart stark, dass er keine Chance auf das Semi-Finale hatte. Seine Muskelentwicklung und Definition im Bereich Beinbizeps und gluteus maximus war einfach fabelhaft.

Wie hoch der Leistungsstandard war, erkennt man schon daran, dass der Vorjahresweltmeister aus Ägypten, Ahmed Hamouda, das Finale trotz stark verbesserter Form nicht erreichte. Einige (unroutinierte) Kampfrichter waren vom Niveau der Athleten derart überwältigt, dass sie leere Wertungszettel abgaben bzw. nicht einmal in der Lage waren, einen Vergleich zu beantragen. Nach eingehender Sondierung zeichnete sich ein Dreikampf zwischen Olegas Zhuras (Litauen), seinem Landsmann Rolandas Pocius und dem Weissrussen Alexeij Shabunia ab. Der letztgenannte Athlet hat sicher das größte Zukunftspotenzial, denn er verfügt bei äußerst harmonischer und symetrischer Gesamterscheinung über überragende Muskelmasse, lediglich bei der Definition zeigten sich einige Schwächen.

Der massivste und am besten definierteste Athlet, Olegas Zhuras, entschied den Wettkampf knapp vor seinem darüber äußerst verärgerten Landsmann Rolandas Pocius, der als Sicherheitsbeamter tätig ist. Die WM wurde vom russischen Fernsehen direkt übertragen. Der Financier dieser Veranstaltung, der Vize-Gouverneur der Region Chelyabinsk, Konstantin Bochkarev, ließ sich die WM die Kleinigkeit von USD 1 Million kosten. Die Unterbringung der Athleten erfolgte im exzellenten 5-Stern Hotel Medzdunarodnaija, organisiert wurde eine äußerst interessante, private Führung durch den Kreml. Beim Abschlussbankett wurden Kavier, Sekt, Wein und Wodka im Übermaß kredenzt, mehrere Folklore-Gruppen und Bands wechselten einander mit illustren Darbietungen ab.

Der lange Zeit in Österreich lebende und trainierende Pole, Bogdan Szczotka, erfüllte sich mit dem Weltmeistertitel in der 90 kg – Klasse einen Lebenstraum, scheiterte im Stechen um den Gesamtsieg aber gegen den um mehr als 20 kg schwereren Olegas Zhuras. Wie hoch das Niveau bei dieser Meisterschaft war zeigte sich im Vergleich zu dem am selben Wochenende abgehaltenen Profi-Grand Prix. An diesem nahm, ungeachtete der Unzulässigkeit der Vermischung von Amateuren und Profis bei einem Wettkampf, auch der Schwergewichtler Sergei Tsinkunkow, der erklärte Liebling des Vize-Gouverneurs von Chelyabinsk, Konstantin Bochkarev, teil und belegte dort den dritten Platz. Im Amateurbewerb lag er nach dem Vorkampf lediglich auf dem vierten Platz und schied vor dem Finale wegen angeblicher Verletzung aus. Bedauerlicherweise musste auch bei dieser Meisterschaft festgestellt werden, dass immer mehr Athleten unnatürlich aufgefüllte Muskelpartien, insbesondere Deltamuskeln, Bizeps-, Trizeps- und Quadrizepsmuskeln aufweisen.

Das EBFF Medical Committee (Prof. Dr. Friedhelm Beuker) entdeckte zahlreiche Fälle vermuteten Synthol-Missbrauchs und entwickelte ein Verfahren, mit dem derartige Auswüchse in Zukunft nachgewiesen und geahndet werden können. Mittels mobilen Sonographen wird in Zukunft festgestellt werden können, ob Ölinjektionen in die Muskulatur vorgenommen wurden. Die entsprechenden rechtlichen Grundlagen müssen allerdings erst geschaffen werden. Prof. Beuker berichtete im Rahmen des Kongresses ausführlich über seine Wahrnehmungen und veröffentlichte in seinem Bericht auch einige Lichtbilder, welche bei einem Athleten, der sich darauf zu erkennen glaubte, zu massiven Protesten und Ankündigung rechtlicher Schritte führten. Neben der großartigen Schwergewichtsklasse war auch die Leistungsdichte in den übrigen Klassen extrem hoch. Neben Bogdan Szczotka ist vor allem die Leistung des deutschen Erich Beihl in der Klasse Männer bis 90 kg hervorzuheben, er stellte nachdrücklich unter Beweis, dass durch Trainingsdisziplin und enormen Einsatz für den Sport, auch für einen Westeuropäer ein Vize-Weltmeistertitel möglich ist. Er zeigte sensationelle Definition, vor allem im Bereich des Bizeps und der Oberschenkel. In der Klasse Männer bis 85 kg präsentierte sich der Russe Sergey Dmitriev in seiner bisher persönlich besten Form und erzielte mit deutlichem Abstand vor seinem Landsmann Artem Ivanov den Weltmeistertitel. Äußerst beachtlich war auch die Leistung des Russen Rustam Dgabrailov, der die Männerklasse bis 80 kg für sich entschied und darüber hinaus auch noch mit der Trophäe des „most improved Bodybuilders“ ausgezeichnet wurde. Wie stark seine Leistung zu bewerten ist, zeigt sich auch darin, dass er Klassemänner, wie den mehrfachen Weltmeister El Shahat Mabrouk (Ägypten), den Brasilianer Louis Sarmento und den Russen Sergey Shevaldin hinter sich gelassen hat.

Nach zweijähriger Wettkampfpause trat der mehrfache Welt- und Europameister Tagir Fachrutdinov in der Klasse Männer bis 75 kg erneut auf den Plan und zeigte, dass er trotz zahlreicher weißer Haare keinen Rost angesetzt hatte, er dominierte diese Klasse von Beginn an, obwohl er in seinem Landsmann Michail Vorobiev einen sehr starken Gegner hatte. Der Bulgare Hristomir Hristov dominierte die Klasse Männer bis 70 kg, er ist wirklich ein fantastischer Athlet, welcher keine Schwachpunkte aufweist, wäre er um 20 cm größer und hätte vergleichbare Muskelmasse und Definition, wäre er ein würdiger Profi. Das übliche Duell zwischen Anwar El Amawy (Ägypten) und dem Brasilianer Jose Carlos Santos wurde diesmal durch den Malayen Sazali Abn Samad gestört, welcher sich erstmals gegenüber seinen beiden langjährigen Konkurrenten verdient durchsetzen konnte. Besonders hervorzuheben sind die vom russischen Verband gesponserten Trophäen, welche die Athleten erhielten. Es handelte sich ausschließlich um wertvolle Bronze-Skulpturen, welche teilweise fast die Hälfte des Wettkampfgewichtes so manches Athleten erreichten. Die Trophäe für den Gesamtsieger wog stattliche 45 kg.

 

© Copyright 2004 Kammermayer Robert - All rights reserved.