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Österreichs einziger Repräsentant bei diesem
Wettkampf, der Wiener Alexander Sturm, hatte in der nicht nur
zahlenmäßig, sondern auch qualitativ am stärksten besetzten
Männerschwergewichtsklasse über 90 kg einen schweren Stand. Im Line-up
stand er unmittelbar neben dem späteren Vizeweltmeister, Rolandas Pocius
(Litauen). Alexander war in seiner persönlichen Bestform und
präsentierte sich im Line-up und bei den Vergleichsposen im Rahmen der
Eliminationsrunde auch äußerst vorteilhaft, der Leistungsstandard in
dieser Klasse war aber derart stark, dass er keine Chance auf das
Semi-Finale hatte. Seine Muskelentwicklung und Definition im Bereich
Beinbizeps und gluteus maximus war einfach fabelhaft.
Wie hoch der Leistungsstandard war, erkennt man schon daran, dass der
Vorjahresweltmeister aus Ägypten, Ahmed Hamouda, das Finale trotz stark
verbesserter Form nicht erreichte. Einige (unroutinierte) Kampfrichter
waren vom Niveau der Athleten derart überwältigt, dass sie leere
Wertungszettel abgaben bzw. nicht einmal in der Lage waren, einen
Vergleich zu beantragen. Nach eingehender Sondierung zeichnete sich ein
Dreikampf zwischen Olegas Zhuras (Litauen), seinem Landsmann Rolandas
Pocius und dem Weissrussen Alexeij Shabunia ab. Der letztgenannte Athlet
hat sicher das größte Zukunftspotenzial, denn er verfügt bei äußerst
harmonischer und symetrischer Gesamterscheinung über überragende
Muskelmasse, lediglich bei der Definition zeigten sich einige Schwächen.
Der massivste und am besten definierteste Athlet, Olegas Zhuras,
entschied den Wettkampf knapp vor seinem darüber äußerst verärgerten
Landsmann Rolandas Pocius, der als Sicherheitsbeamter tätig ist. Die WM
wurde vom russischen Fernsehen direkt übertragen. Der Financier dieser
Veranstaltung, der Vize-Gouverneur der Region Chelyabinsk, Konstantin
Bochkarev, ließ sich die WM die Kleinigkeit von USD 1 Million kosten.
Die Unterbringung der Athleten erfolgte im exzellenten 5-Stern Hotel
Medzdunarodnaija, organisiert wurde eine äußerst interessante, private
Führung durch den Kreml. Beim Abschlussbankett wurden Kavier, Sekt, Wein
und Wodka im Übermaß kredenzt, mehrere Folklore-Gruppen und Bands
wechselten einander mit illustren Darbietungen ab.
Der lange Zeit in Österreich lebende und trainierende Pole, Bogdan
Szczotka, erfüllte sich mit dem Weltmeistertitel in der 90 kg – Klasse
einen Lebenstraum, scheiterte im Stechen um den Gesamtsieg aber gegen
den um mehr als 20 kg schwereren Olegas Zhuras. Wie hoch das Niveau bei
dieser Meisterschaft war zeigte sich im Vergleich zu dem am selben
Wochenende abgehaltenen Profi-Grand Prix. An diesem nahm, ungeachtete
der Unzulässigkeit der Vermischung von Amateuren und Profis bei einem
Wettkampf, auch der Schwergewichtler Sergei Tsinkunkow, der erklärte
Liebling des Vize-Gouverneurs von Chelyabinsk, Konstantin Bochkarev,
teil und belegte dort den dritten Platz. Im Amateurbewerb lag er nach
dem Vorkampf lediglich auf dem vierten Platz und schied vor dem Finale
wegen angeblicher Verletzung aus. Bedauerlicherweise musste auch bei
dieser Meisterschaft festgestellt werden, dass immer mehr Athleten
unnatürlich aufgefüllte Muskelpartien, insbesondere Deltamuskeln,
Bizeps-, Trizeps- und Quadrizepsmuskeln aufweisen.
Das EBFF Medical Committee (Prof. Dr. Friedhelm Beuker) entdeckte
zahlreiche Fälle vermuteten Synthol-Missbrauchs und entwickelte ein
Verfahren, mit dem derartige Auswüchse in Zukunft nachgewiesen und
geahndet werden können. Mittels mobilen Sonographen wird in Zukunft
festgestellt werden können, ob Ölinjektionen in die Muskulatur
vorgenommen wurden. Die entsprechenden rechtlichen Grundlagen müssen
allerdings erst geschaffen werden. Prof. Beuker berichtete im Rahmen des
Kongresses ausführlich über seine Wahrnehmungen und veröffentlichte in
seinem Bericht auch einige Lichtbilder, welche bei einem Athleten, der
sich darauf zu erkennen glaubte, zu massiven Protesten und Ankündigung
rechtlicher Schritte führten. Neben der großartigen Schwergewichtsklasse
war auch die Leistungsdichte in den übrigen Klassen extrem hoch. Neben
Bogdan Szczotka ist vor allem die Leistung des deutschen Erich Beihl in
der Klasse Männer bis 90 kg hervorzuheben, er stellte nachdrücklich
unter Beweis, dass durch Trainingsdisziplin und enormen Einsatz für den
Sport, auch für einen Westeuropäer ein Vize-Weltmeistertitel möglich
ist. Er zeigte sensationelle Definition, vor allem im Bereich des Bizeps
und der Oberschenkel. In der Klasse Männer bis 85 kg präsentierte sich
der Russe Sergey Dmitriev in seiner bisher persönlich besten Form und
erzielte mit deutlichem Abstand vor seinem Landsmann Artem Ivanov den
Weltmeistertitel. Äußerst beachtlich war auch die Leistung des Russen
Rustam Dgabrailov, der die Männerklasse bis 80 kg für sich entschied und
darüber hinaus auch noch mit der Trophäe des „most improved
Bodybuilders“ ausgezeichnet wurde. Wie stark seine Leistung zu bewerten
ist, zeigt sich auch darin, dass er Klassemänner, wie den mehrfachen
Weltmeister El Shahat Mabrouk (Ägypten), den Brasilianer Louis Sarmento
und den Russen Sergey Shevaldin hinter sich gelassen hat.
Nach zweijähriger Wettkampfpause trat der mehrfache Welt- und
Europameister Tagir Fachrutdinov in der Klasse Männer bis 75 kg erneut
auf den Plan und zeigte, dass er trotz zahlreicher weißer Haare keinen
Rost angesetzt hatte, er dominierte diese Klasse von Beginn an, obwohl
er in seinem Landsmann Michail Vorobiev einen sehr starken Gegner hatte.
Der Bulgare Hristomir Hristov dominierte die Klasse Männer bis 70 kg, er
ist wirklich ein fantastischer Athlet, welcher keine Schwachpunkte
aufweist, wäre er um 20 cm größer und hätte vergleichbare Muskelmasse
und Definition, wäre er ein würdiger Profi. Das übliche Duell zwischen
Anwar El Amawy (Ägypten) und dem Brasilianer Jose Carlos Santos wurde
diesmal durch den Malayen Sazali Abn Samad gestört, welcher sich
erstmals gegenüber seinen beiden langjährigen Konkurrenten verdient
durchsetzen konnte. Besonders hervorzuheben sind die vom russischen
Verband gesponserten Trophäen, welche die Athleten erhielten. Es
handelte sich ausschließlich um wertvolle Bronze-Skulpturen, welche
teilweise fast die Hälfte des Wettkampfgewichtes so manches Athleten
erreichten. Die Trophäe für den Gesamtsieger wog stattliche 45 kg.
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