Weltmeisterschaft der Männer 2003
Mumbai / Indien
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Kaum wurde der in Deutschland lebende Ägypter Ahmed Hamedy mit einem knappen Zweipunktevorsprung gegenüber Manfred Petautschnigg zum Sieger erklärt und hatte ein ägyptischer Delegierter Hamedy die ägyptische Nationalflagge aus dem Zuschauerraum zugeworfen wurde ein Feuerwerk gezündet, welches dem Finale dieser Weltmeisterschaft wahrhaftig einen Knalleffekt lieferte.

Es regnete nämlich nicht nur Lammetta und Papierschnitzel auf Athleten und Zuschauer herab, sondern ging auch die Bühne in Flammen auf und musste diese in einer Notaktion gelöscht werden. Die verdatterten Journalisten und Kampfrichter sprangen von ihren Sitzen auf und wandten sich zur Flucht, doch das Feuer war so rasch eingedämmt, dass keine wirkliche Gefahr für die ca. 10-12.000 Zuschauer, welche sich im Kricket-Stadion in Mumbai zum Finale der Bodybuildingweltmeisterschaft der Männer eingefunden hatten, bestand. Publikumsliebling und erklärter Favorit der Medien war allerdings nicht der Sieger Hamedy, sondern unser Manfred Petautschnig, der sich seit seiner Ankunft im Mumbai der Journalisten und Fans kaum erwehren konnte.

Immer wieder musste er für Fans für Fotos posieren, Journalisten als Interviewpartner zur Verfügung stehen und wurde sogar eigens gemeinsam mit dem Tschechen Peter Weinlich zur Aufzeichnung einer Fernsehsendung für den renommierten Sender ESPN in das Gold’s Gym Mumbai zitiert.

Das Interesse der Medien galt vor allem deshalb dem österreichischen Nationalteam bestehend aus Manfred Petautschnig und Ronald Ullram, weil Österreich als Herkunftsland von Arnold Schwarzenegger im Zusammenhang mit dessen Wahl zum Gouverneur von Kalifornien besonderes Augenmerk der Medienvertreter genoss.

Deshalb wurde auch im Sportteil der renommierten Tageszeitung „Express“ halbseitig ein Bildbericht über die österreichische Nationalmannschaft veröffentlicht. Manfred wusste wohl anfangs nicht, ob er sich mehr über den Gewinn der Silbermedaille freuen, oder den Verlust der Goldmedaille ärgern sollte. Fest steht jedenfalls, dass er mit diesem Ergebnis (vorbehaltlich der Ergebnisse der Anti-Doping-Kontrolle) das beste Ergebnis eines österreichischen Schwergewichtlers seit der Silbermedaille Thomas Burianek’s bei der WM in Prag 1998 erzielt hat.

Bei der Vorwahl kristallisierte sich ein 3-Kampf zwischen dem Tschechen Peter Weinlich, dem Ägypter Ahmed Hamedy und Manfred Petautschnig ab. Alle drei Athleten waren in etwa gleichwertig. Peter Weinlich präsentierte sich sehr harmonisch und definiert und zeigte besonders eindrucksvolle Oberarm- und Oberschenkelmuskeln. Der Ägypter beeindruckte im Line-up durch einen sehr harmonischen und ästhetischen Gesamteindruck, gemeißelte Bauchmuskeln und extreme Definition. In Punkto Definition stand ihm unser Manfred um nichts nach, war er doch mit rund 123 kg Wettkampfgewicht nicht nur der Schwerste sondern auch der am besten definierte Athlet des gesamten Schwergewichtsfeldes. Manfred’s Oberschenkel- und Wadenentwicklung sind ja bereits legendär. Er konnte sich aber im Vergleich zu seinem letzten Start insbesondere im Schulter-, Brust- und Oberarmbereich nochmals steigern und zeigte unglaublich definierte Serratusmuskeln.

Gegenüber Hamedy fiel er nur in der Rückenentwicklung etwas zurück, dafür hatte aber Hamedy nicht annähernd so gute Beine und Oberarme. Bei der Vorwahl trennten die drei Prätendenten um den Sieg lediglich drei Punkte, den Zweipunkterückstand auf Hamedy konnte Manfred im Finale, bei dem er die gleiche Platzziffer wie Hamedy erzielte, aber nicht mehr aufholen.

Die Männerklasse bis 90 kg war von der Leistungsdichte her die stärkste Kategorie mit renommierten Athleten wie dem mehrfachen Europa- und Weltmeister Thomas Scheu, und den beiden Polen Bogdan Szczotka und Pavel Brzozka. Szczotka ist regierender Europameister. In diesem Klassefeld belegte Österreichs Vertreter, Ronald Ullram, den hervorragenden neunten Platz. Der Ronzofant trat ebenfalls in persönlicher Bestform an und beeindruckte durch eine gleichmäßige Körperentwicklung bei sehr guter Muskelmasse und Definition vor allem im Schulter-, Rücken- und Oberarmbereich. Lediglich die Beinmuskulatur, vor allem der Beinbizeps müssen noch verbessert werden, um beim nächsten Antreten eine Finalplatzierung zu erreichen.

Die von der Firma Procam veranstalteten Weltmeisterschaften zählten von der medialen Positionierung und vom Publikumsinteresse zum Besten was man je gesehen hat. Ich kann mich an kein Finale erinnern, bei dem derart viele Zuschauer (es waren rund 12.000) dabei waren. Das zu den „leading hotels of the world“ zählende Oberoi war zweifellos in den letzten 20 Jahren das beste Hotel, welches für eine Amateurmeisterschaft der IFBB zur Verfügung gestellt wurde. Die Organisatoren scheuten wirklich keine Mühen und Kosten um den teilnehmenden Athleten und Funktionären ihre Teilnahme an der Weltmeisterschaft so angenehm wie möglich zu gestalten. Einmal mehr zeigte sich aber auch bei diesen Weltmeisterschaften die Vormachtstellung der europäischen Athleten. Mit dem Gesamtsieger, Rene Zimmermann, aus der Schweiz hat erstmals ein Athlet der Männerklasse bis 75 kg den Gesamtsieg bei einer Weltmeisterschaft erzielt.
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