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Kaum wurde der in Deutschland lebende
Ägypter Ahmed Hamedy mit einem knappen Zweipunktevorsprung gegenüber
Manfred Petautschnigg zum Sieger erklärt und hatte ein ägyptischer
Delegierter Hamedy die ägyptische Nationalflagge aus dem Zuschauerraum
zugeworfen wurde ein Feuerwerk gezündet, welches dem Finale dieser
Weltmeisterschaft wahrhaftig einen Knalleffekt lieferte.
Es regnete nämlich nicht nur Lammetta und Papierschnitzel auf Athleten
und Zuschauer herab, sondern ging auch die Bühne in Flammen auf und
musste diese in einer Notaktion gelöscht werden. Die verdatterten
Journalisten und Kampfrichter sprangen von ihren Sitzen auf und wandten
sich zur Flucht, doch das Feuer war so rasch eingedämmt, dass keine
wirkliche Gefahr für die ca. 10-12.000 Zuschauer, welche sich im
Kricket-Stadion in Mumbai zum Finale der Bodybuildingweltmeisterschaft
der Männer eingefunden hatten, bestand. Publikumsliebling und erklärter
Favorit der Medien war allerdings nicht der Sieger Hamedy, sondern
unser Manfred Petautschnig, der sich seit seiner Ankunft im Mumbai
der Journalisten und Fans kaum erwehren konnte.
Immer wieder musste er für Fans für Fotos posieren, Journalisten als
Interviewpartner zur Verfügung stehen und wurde sogar eigens gemeinsam
mit dem Tschechen Peter Weinlich zur Aufzeichnung einer Fernsehsendung
für den renommierten Sender ESPN in das Gold’s Gym Mumbai zitiert.
Das Interesse der Medien galt vor allem deshalb dem österreichischen
Nationalteam bestehend aus Manfred Petautschnig und Ronald
Ullram, weil Österreich als Herkunftsland von Arnold Schwarzenegger
im Zusammenhang mit dessen Wahl zum Gouverneur von Kalifornien
besonderes Augenmerk der Medienvertreter genoss.
Deshalb wurde auch im Sportteil der renommierten Tageszeitung „Express“
halbseitig ein Bildbericht über die österreichische Nationalmannschaft
veröffentlicht. Manfred wusste wohl anfangs nicht, ob er sich mehr über
den Gewinn der Silbermedaille freuen, oder den Verlust der Goldmedaille
ärgern sollte. Fest steht jedenfalls, dass er mit diesem Ergebnis
(vorbehaltlich der Ergebnisse der Anti-Doping-Kontrolle) das beste
Ergebnis eines österreichischen Schwergewichtlers seit der
Silbermedaille Thomas Burianek’s bei der WM in Prag 1998 erzielt hat.
Bei der Vorwahl kristallisierte sich ein 3-Kampf zwischen dem Tschechen
Peter Weinlich, dem Ägypter Ahmed Hamedy und Manfred Petautschnig ab.
Alle drei Athleten waren in etwa gleichwertig. Peter Weinlich
präsentierte sich sehr harmonisch und definiert und zeigte besonders
eindrucksvolle Oberarm- und Oberschenkelmuskeln. Der Ägypter
beeindruckte im Line-up durch einen sehr harmonischen und ästhetischen
Gesamteindruck, gemeißelte Bauchmuskeln und extreme Definition. In
Punkto Definition stand ihm unser Manfred um nichts nach, war er doch
mit rund 123 kg Wettkampfgewicht nicht nur der Schwerste sondern auch
der am besten definierte Athlet des gesamten Schwergewichtsfeldes.
Manfred’s Oberschenkel- und Wadenentwicklung sind ja bereits legendär.
Er konnte sich aber im Vergleich zu seinem letzten Start insbesondere im
Schulter-, Brust- und Oberarmbereich nochmals steigern und zeigte
unglaublich definierte Serratusmuskeln.
Gegenüber Hamedy fiel er nur in der Rückenentwicklung etwas zurück,
dafür hatte aber Hamedy nicht annähernd so gute Beine und Oberarme. Bei
der Vorwahl trennten die drei Prätendenten um den Sieg lediglich drei
Punkte, den Zweipunkterückstand auf Hamedy konnte Manfred im Finale, bei
dem er die gleiche Platzziffer wie Hamedy erzielte, aber nicht mehr
aufholen.
Die Männerklasse bis 90 kg war von der Leistungsdichte her die stärkste
Kategorie mit renommierten Athleten wie dem mehrfachen Europa- und
Weltmeister Thomas Scheu, und den beiden Polen Bogdan Szczotka und Pavel
Brzozka. Szczotka ist regierender Europameister. In diesem Klassefeld
belegte Österreichs Vertreter, Ronald Ullram, den hervorragenden neunten
Platz. Der Ronzofant trat ebenfalls in persönlicher Bestform an und
beeindruckte durch eine gleichmäßige Körperentwicklung bei sehr guter
Muskelmasse und Definition vor allem im Schulter-, Rücken- und
Oberarmbereich. Lediglich die Beinmuskulatur, vor allem der Beinbizeps
müssen noch verbessert werden, um beim nächsten Antreten eine
Finalplatzierung zu erreichen.
Die von der Firma Procam veranstalteten Weltmeisterschaften zählten von
der medialen Positionierung und vom Publikumsinteresse zum Besten was
man je gesehen hat. Ich kann mich an kein Finale erinnern, bei dem
derart viele Zuschauer (es waren rund 12.000) dabei waren. Das zu den „leading
hotels of the world“ zählende Oberoi war zweifellos in den letzten 20
Jahren das beste Hotel, welches für eine Amateurmeisterschaft der IFBB
zur Verfügung gestellt wurde. Die Organisatoren scheuten wirklich keine
Mühen und Kosten um den teilnehmenden Athleten und Funktionären ihre
Teilnahme an der Weltmeisterschaft so angenehm wie möglich zu gestalten.
Einmal mehr zeigte sich aber auch bei diesen Weltmeisterschaften die
Vormachtstellung der europäischen Athleten. Mit dem Gesamtsieger, Rene
Zimmermann, aus der Schweiz hat erstmals ein Athlet der Männerklasse bis
75 kg den Gesamtsieg bei einer Weltmeisterschaft erzielt. |
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