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Mit einer Verspätung von mehr als 10 Stunden kam das österreichische Nationalteam bestehend aus dem Athleten Peter Mohr (bis 90 kg) und Mag. Axel Bauer in Kairo um 4 Uhr Morgens an.
Am nächsten Tag in der Früh begann dann schon die vom Organisator vorgesehene sight-seeing-Tour, an der zahlreiche Athleten und Delegierte teilnahmen. Auf der Tagesordnung standen das ägyptische Nationalmuseum, die Pyramiden von Gize sowie die weltberühmte Sphinx. Ein Besuch des Bazars mußte wegen rebellisch gewordener Athleten und Betreuer, die die Einnahme des Mittagessens vehement einforderten, entfallen. Die Wettkampforganisation lag im Argen:
Der Backstage-Bereich war für Fans praktisch frei zugänglich, was dazu führte, daß Athleten nicht nur von „Fans“ beim Umziehen und Duschen fotografiert, sondern auch reihenweise bestohlen wurden. Einige Athleten mußten die Veranstaltungshalle nach dem Wettkampf in der Posinghose bekleidet und barfuß verlassen, da ihre gesamten Habseeligkeiten von „Fans“ offenbar als Souvenir betrachtet und mitgenommen wurden. Star-Status genossen vor allem die ägyptischen Athleten, welche alle samt mit Horden von Betreuern auftraten.
Wenn sich ein ägyptischer Athlet – beispielsweise El Shahat Mabrouk oder Anwar El Ammawi – auf den Wettkampf vorbereiteten, dann waren sie stets von duzenden Fotografen und Fans umlagert, im Publikum wurden sie frenetisch von ihren Anhängern angefeuert, El Shahat Mabrouk, den späteren Sieger der Klasse bis 90 kg, feuerten mehrere Schulklassen, die die Ränge füllten mit Anfeuerungsrufen an. Das Publikum verhielt sich extrem undiszipliniert, reservierte Sitzplätze gab es nicht, alle stürmten nach vorne, um den Athleten möglichst nah zu sein.
Über die Vorgänge hinter der Bühne informiert stürmte einmal sogar der Präsident des ägyptischen Bodybuilding-Verbandes und Vizepräsident der IFBB für Afrika, Dr. Eng. Adel Fahim El Sayed hinter die Bühne und verteilte dort Ohrfeigen, Fausthiebe, Stöße und Fußtritte gegen diverse „Fans“ welche nicht nur den Sicherheitsdienst überrannten, sondern auch von der Tribüne über die Brüstung in den Backstagebereich sprangen.
Das „Tohuwabohu“ hinter der Bühne mag auch der Grund dafür gewesen sein, warum es dem arrivierten Athleten und Ex-Mr. Olympiateilnehmer Hamdullah Aykutlug nicht gelang rechtzeitig zum Finale auf der Bühne zu sein. Er stürmte erst mitten während des Pose-downs auf die Bühne – zu spät, als dass seine Leistung noch ordnungsgemäß zu bewerten wäre.
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Peter Mohr zeigte sich von all dem Trubel unbeeindruckt und bereitet sich ruhig und konzentriert auf den Wettkampf vor. In der Klasse Männer bis 80 kg waren 42 Athleten am Start, die meisten von ihnen waren in guter bis sehr guter Form. Peter gelang es in diesem Klassefeld das Semifinale zu erreichen und belegte er schließlich den 15. Platz. Bedenkt man aber, daß die drei Erstplatzierten wegen Dopings nachträglich disqualifiziert werden mußten erhöht sich der Wert seiner Leistung.
Den Abschluß der Veranstaltung bildete ein Festbankett in einem Wüstenzelt in unmittelbarer Nähe zur Cheops-Pyramide, der den Athleten und Delegierten bei Bauchtanz und Wasserpfeife einen angenehmen Ausklang dieses Wettkampfes bescherte. Insgesamt bildete der historische Rahmen und die gastfreundliche Aufnahme durch unsere ägyptischen Freunde einen sehr positiven Eindruck, selbst der vehemente Einsatz der Fans ist positiv zu würdigen, denn in diesem Land werden die Bodybuilder wie Filmstars verehrt. Besonders hervorzuheben ist die Leistung des ägyptischen Star-Athleten El Shahat Mabrouk. Trotz seiner internationalen und nationalen Bekanntheit (er ist ein bekannter ägyptischer Filmschauspieler) trat er stets bescheiden und kalmierend auf. Als er in seiner Klasse als dritter aufgerufen wurde (Anmerkung: in Folge Disqualifikation der vor ihm platzierten wegen Dopings belegte er schließlich den 1. Platz), wollte das Publikum diese Entscheidung der Kampfrichter nicht akzeptieren, doch El Shahat Mabrouk besänftigte das Publikum mit einigen Handbewegungen und forderte es auf den vor ihm Platzierten Athleten zu applaudieren, war es auch tat.
Ganz anders reagierte in der Klasse bis 65 kg der zweitplatzierte Ägypter Anwar El Ammawi: Er war über seinen zweiten Platz höchst verärgert und machte abfällige Handbewegungen in Richtung des Siegers, des Brasilianers Santos. Dies führte dazu, daß der Anwesende ägyptische Sportminister sich nicht nur weigerte El Ammawi zum zweiten Platz zu gratulieren und ihm die Hand zu schütteln, sondern sich auch verbat gemeinsam mit diesem Athleten fotografiert zu werden, so sehr genierte er sich für das äußerst unsportliche Verhalten El Ammawis.
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